Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Nach Angaben der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) leben in Deutschland schätzungsweise 400.000 Menschen mit einer CED.¹ Typische Symptome sind chronische Bauchschmerzen, Durchfälle, Gewichtsverlust und Erschöpfung, die den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Die Standardtherapie umfasst je nach Schweregrad Aminosalizylate, Kortikosteroide, Immunsuppressiva und Biologika (z. B. TNF-alpha-Hemmer), mit dem Ziel, die Entzündung zurückzudrängen und in Remission zu halten.
Das Endocannabinoid-System und die Darmgesundheit
Das Endocannabinoid-System ist auch im Verdauungstrakt aktiv und an der Regulation von Entzündungsprozessen beteiligt. Eine grundlegende tierexperimentelle Arbeit von Massa et al. (2004) zeigte, dass das körpereigene Endocannabinoid-System eine schützende Rolle bei Darmentzündungen spielen kann – ein zentraler Baustein der wissenschaftlichen Hypothese, warum Cannabinoide bei CED von Interesse sind.²
Was zeigen klinische Studien?
Die klinische Evidenz beim Menschen ist begrenzt, aber differenziert:
- Naftali et al. (2013) untersuchten in einer prospektiven, placebokontrollierten Studie 21 Patienten mit therapierefraktärem Morbus Crohn, die inhalatives Cannabis erhielten. Bei 45 % der Cannabis-Gruppe wurde eine klinische Remission erreicht (gegenüber 10 % unter Placebo) – ein Unterschied, der bei dieser kleinen Stichprobe nicht statistisch signifikant war. Endoskopisch nachweisbare Entzündungsmarker verbesserten sich jedoch nicht signifikant.³
- Eine Folgestudie derselben Arbeitsgruppe (Naftali et al., 2017) prüfte niedrig dosiertes CBD allein bei Morbus Crohn und fand keine signifikante Wirksamkeit gegenüber Placebo – ein wichtiger, ehrlicher Negativbefund, der zeigt, dass nicht jede Cannabinoid-Anwendung bei CED wirksam ist.⁴
- Eine Befragungsstudie von Storr et al. (2014) unter IBD-Patienten fand, dass Cannabiskonsum subjektiv mit Symptomlinderung assoziiert war – gleichzeitig aber auch mit einem höheren Risiko für spätere Operationen bei Morbus-Crohn-Patienten. Die Autoren diskutieren, dass eine reine Symptomlinderung dazu verleiten könnte, eine fortschreitende Entzündung zu spät zu erkennen und zu behandeln.⁵