Was ist Fibromyalgie?
Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch weit verbreitete muskuloskelettale Schmerzen, ausgeprägte Erschöpfung und häufig Schlafstörungen sowie kognitive Beeinträchtigungen gekennzeichnet ist. In Deutschland sind schätzungsweise 2–3 % der Bevölkerung betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer.¹
Die Erkrankung wird nicht durch entzündliche oder strukturelle Gewebeschäden verursacht – bildgebende Verfahren und Labortests zeigen typischerweise unauffällige Befunde. Fibromyalgie ist heute als Störung der zentralen Schmerzverarbeitung anerkannt.²
Ursachen und Pathophysiologie
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Wissenschaftlich anerkannte Faktoren sind:
- Zentrale Sensitivierung: Das zentrale Nervensystem verarbeitet Schmerzreize überempfindlich. Selbst normale Reize werden als schmerzhaft wahrgenommen (Allodynie und Hyperalgesie).²
- Neurobiologische Veränderungen: Studien belegen veränderte Spiegel von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Substanz P im Liquor von FMS-Patienten.³
- Genetische Faktoren: Erstgradige Verwandte von FMS-Patienten haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.⁴
- Triggerfaktoren: Körperliche oder psychische Traumata, Infektionen und anhaltender Stress können Auslöser sein.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt klinisch auf Basis der 2016 revidierten ACR-Kriterien (American College of Rheumatology). Zentrale Kriterien sind:
- Weit verbreitete Schmerzen (Widespread Pain Index ≥ 7) oder regionale Schmerzen mit erheblichen Symptomen
- Symptom Severity Score ≥ 5
- Symptome bestehen seit mindestens 3 Monaten
- Keine andere Erkrankung, die die Beschwerden vollständig erklärt