Migräne – eine häufige und belastende Erkrankung
Die Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. In Deutschland sind schätzungsweise 14–18 Millionen Menschen betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer. Typisch sind wiederkehrende, einseitige Kopfschmerzen mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit – oft über Stunden bis Tage.¹
Die Standardtherapie umfasst Triptane, NSAR, und bei häufigen Attacken eine prophylaktische Behandlung (z. B. Betablocker, Topiramat, CGRP-Antikörper). Dennoch spricht ein Teil der Patienten nicht ausreichend auf diese Therapien an.
Wie könnte Cannabis bei Migräne wirken?
Das Endocannabinoid-System (ECS) spielt möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von Migräne. Forscher haben bei Migränepatienten veränderte Spiegel des körpereigenen Endocannabinoids Anandamid festgestellt – was zur Hypothese einer sogenannten „klinischen Endocannabinoid-Defizienz" geführt hat.² Diese Theorie ist jedoch noch nicht abschließend belegt.
THC und CBD könnten über folgende Mechanismen relevant sein: - Hemmung der Ausschüttung von CGRP (einem Botenstoff, der bei Migräneattacken zentral ist) - Modulierung der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem - Mögliche antiemetische Wirkung (gegen Übelkeit und Erbrechen)
Was zeigen Studien?
Die Datenlage ist noch begrenzt, aber wachsend:
Eine Beobachtungsstudie von Rhyne et al. (2016) mit 121 Migränepatienten, die medizinisches Cannabis anwendeten, zeigte eine Reduktion der durchschnittlichen Migräneattacken von 10,4 auf 4,6 pro Monat. Die Studie hatte jedoch kein Kontrollgruppen-Design, was kausale Schlüsse einschränkt.³
Ailani et al. (2020) überblickten in einem Review mehrere Beobachtungsstudien und kamen zu dem Schluss, dass cannabisbasierte Behandlungen möglicherweise zur Reduktion von Migränehäufigkeit beitragen könnten – mit dem klaren Hinweis, dass randomisierte kontrollierte Studien fehlen.⁴
Für akute Migräneattacken gibt es bislang keine ausreichend belegte Evidenz aus kontrollierten Studien.