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Medizin 7 Min. Lesezeit02. April 2026

Nebenwirkungen und Risiken von medizinischem Cannabis: Was Patienten wissen sollten

Medizinisches Cannabis ist kein nebenwirkungsfreies Mittel. Dieser Artikel erklärt das bekannte Nebenwirkungsprofil, Kontraindikationen und Risikogruppen – auf Basis systematischer Übersichtsarbeiten.

Medizinisches Cannabis: Kein nebenwirkungsfreies Arzneimittel

Medizinisches Cannabis unterliegt als Arzneimittel denselben pharmakologischen Gesetzmäßigkeiten wie andere Wirkstoffe: Jede therapeutische Wirkung kann von unerwünschten Wirkungen begleitet werden. Eine umfassende Aufklärung über das Nebenwirkungsprofil ist Teil jeder seriösen ärztlichen Beratung.

Die folgende Übersicht basiert primär auf der systematischen Übersichtsarbeit von Whiting et al. (2015), die im Auftrag der American Medical Association 79 randomisierte kontrollierte Studien zu cannabisbasierten Arzneimitteln auswertete und im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurde.¹

Häufige Kurzzeitnebenwirkungen

Cannabinoide – insbesondere THC – können folgende Nebenwirkungen hervorrufen, die in der Mehrzahl der klinischen Studien berichtet wurden:

Zentralnervöse Wirkungen - Schwindel und Benommenheit – häufigste berichtete Nebenwirkung in klinischen Studien¹ - Kognitive Beeinträchtigungen – Konzentration, Gedächtnis und Reaktionszeit können vorübergehend beeinträchtigt sein² - Sedierung und Müdigkeit - Psychomotorische Verlangsamung - Dysphorie oder Angst – insbesondere bei höheren Dosen oder empfindlichen Personen (dosisabhängig)³

Kardiovaskuläre Wirkungen - Tachykardie (erhöhte Herzfrequenz) – vor allem zu Beginn der Therapie - Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)

Gastrointestinale Wirkungen - Übelkeit und Mundtrockenheit - Bei inhalativer Anwendung: Reizhusten, Schleimhautreizung

CBD-spezifische Nebenwirkungen

Cannabidiol (CBD) zeigt ein günstigeres Verträglichkeitsprofil als THC, ist jedoch nicht nebenwirkungsfrei. In klinischen Studien zum zugelassenen CBD-Arzneimittel Epidyolex® wurden berichtet:⁴ - Müdigkeit und Sedierung - Durchfall und Appetitveränderungen - Erhöhte Leberwerte (bei höheren Dosen, insbesondere in Kombination mit Valproat)

Langzeitrisiken

Die Evidenzlage zu Langzeitrisiken ist überwiegend aus Studien zu nicht-medizinischem Cannabiskonsum abgeleitet. Für medizinischen Konsum unter ärztlicher Aufsicht fehlen noch ausreichende Langzeitdaten.

Abhängigkeitspotenzial Schätzungsweise 9 % der Personen, die Cannabis konsumieren, entwickeln eine Abhängigkeitserkrankung – der Anteil steigt bei täglichem Gebrauch auf ca. 17 %.⁵ Bei medizinischer Anwendung unter ärztlicher Begleitung wird das Risiko durch Dosisanpassung und Verlaufskontrolle begrenzt.

Wirkungen auf das Gehirn THC-Exposition während der Gehirnentwicklung (bis ca. 25 Jahre) ist mit strukturellen und funktionellen Veränderungen assoziiert.⁶ Für Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis besonders sorgfältig zu prüfen.

Respiratorische Risiken (nur inhalative Anwendung) Regelmäßiges Inhalieren von Cannabis-Rauch ist mit chronischer Bronchitis assoziiert. Durch die Verwendung von Vaporizern (Verdampfern) kann dieses Risiko reduziert werden.⁷

Kontraindikationen

Medizinisches Cannabis ist bei bestimmten Patientengruppen kontraindiziert oder mit besonderer Vorsicht anzuwenden:

KontraindikationGrund
Psychoseerkrankungen (aktuell oder anamnestisch)THC kann psychotische Episoden auslösen oder verstärken
Schwere kardiovaskuläre ErkrankungenTachykardie- und Hypotonierisiko
Schwangerschaft und StillzeitMögliche Auswirkungen auf die fetale Entwicklung
Schwere LebererkrankungenMetabolisierung beeinträchtigt
Alter unter 18–25 JahrenRisiken für die Gehirnentwicklung
Gleichzeitige Einnahme sedierender MedikamenteVerstärkung der sedierenden Wirkung

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Cannabinoide werden überwiegend über CYP450-Enzyme (CYP3A4, CYP2C9) metabolisiert und können die Wirkung zahlreicher Medikamente beeinflussen, darunter: - Antikoagulanzien (z. B. Warfarin) - Antiepileptika - Immunsuppressiva - Sedativa und Schlafmittel

Eine vollständige Medikamentenanamnese durch den verordnenden Arzt ist daher unerlässlich.

Fazit

Das Nebenwirkungsprofil von medizinischem Cannabis ist bekannt und gut dokumentiert. Eine ärztliche Beurteilung des individuellen Risiko-Nutzen-Verhältnisses ist Voraussetzung jeder Behandlung.

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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Quellen

1. Whiting PF et al. (2015): Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA 313(24):2456–2473 2. Ranganathan M, D'Souza DC (2006): The acute effects of cannabinoids on memory in humans. Psychopharmacology 188(4):425–444 3. Crippa JA et al. (2009): Cannabis and anxiety: a critical review of the evidence. Hum Psychopharmacol 24(7):515–523 4. Devinsky O et al. (2017): Trial of Cannabidiol for Drug-Resistant Seizures in the Dravet Syndrome. N Engl J Med 376(21):2011–2020 5. Anthony JC et al. (1994): Comparative epidemiology of dependence on tobacco, alcohol, controlled substances. Exp Clin Psychopharmacol 2(3):244–268 6. Gruber SA et al. (2012): Worth the wait: effects of age of onset of marijuana use on white matter and impulsivity. Psychopharmacology 224(2):431–441 7. Earleywine M, Barnwell SS (2007): Decreased respiratory symptoms in cannabis users who vaporize. Harm Reduct J 4:11

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