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Ratgeber 6 Min. Lesezeit22. Mai 2026

Medizinisches Cannabis: Dosierung und Einnahme – was Patienten wissen sollten

Wie wird medizinisches Cannabis eingenommen, wie findet man die richtige Dosierung – und worauf sollte man dabei achten? Ein praktischer Überblick für Patienten.

Einnahmeformen im Überblick

Medizinisches Cannabis ist in Deutschland in verschiedenen Formen erhältlich. Die häufigsten sind:

1. Inhalation via Vaporizer (Verdampfer)

Die Inhalation durch einen medizinischen Vaporizer ist die in Deutschland am häufigsten verordnete Anwendungsform für Cannabis-Blüten. Dabei werden die Wirkstoffe bei kontrollierten Temperaturen (meist 170–210 °C) verdampft – ohne Verbrennung, was die Entstehung schädlicher Verbrennungsprodukte vermeidet.¹

Vorteile: Schneller Wirkungseintritt (Minuten), gute Steuerbarkeit der Dosis Nachteile: Kann Atemwege reizen; nicht für alle Patienten geeignet (z. B. bei Lungenerkrankungen)

2. Öle und Extrakte

Cannabisextrakte werden meist sublingual (unter die Zunge) oder oral eingenommen. Der Wirkungseintritt ist langsamer als bei Inhalation (30–120 Minuten), dafür länger anhaltend.

Vorteile: Keine Belastung der Atemwege, gute Dosierbarkeit per Tropfen Nachteile: Langsamerer Wirkungseintritt; Erstpassage-Metabolisierung in der Leber verändert das Wirkprofil

3. Fertigarzneimittel (z. B. Dronabinol-Kapseln, Sativex®)

Zugelassene Fertigarzneimittel wie Dronabinol (synthetisches THC) oder Nabiximols (Sativex®) bieten standardisierte Dosierungen und sind für spezifische Indikationen zugelassen.

Dosierungsprinzip: „Start low, go slow"

Für cannabisbasierte Arzneimittel gilt in der Medizin das „Start low, go slow"-Prinzip:²

  • Mit einer niedrigen Dosis beginnen
  • Dosis langsam und schrittweise erhöhen – erst wenn die aktuelle Dosis gut vertragen wird
  • Auf die individuelle Reaktion achten: Wirkung, Nebenwirkungen und subjektives Befinden

Eine Standarddosis gibt es nicht – die optimale Dosis ist individuell sehr verschieden und hängt von Grunderkrankung, THC-Toleranz, Körpergewicht, Stoffwechsel und weiteren Faktoren ab.

Die Dosierung wird vom verordnenden Arzt festgelegt und sollte nicht eigenmächtig verändert werden.

Worauf Patienten achten sollten

Zeitpunkt der Einnahme - Cannabis mit psychoaktiven Wirkungen (THC-haltig) sollte nicht vor dem Autofahren eingenommen werden – es gibt keine sichere Wartezeit; fahren Sie grundsätzlich nicht, wenn Wirkungen spürbar sind. - Abendliche Einnahme kann sich durch sedative Wirkungen auf Schläfrigkeit auswirken.

Wechselwirkungen Cannabinoide können mit anderen Medikamenten interagieren – insbesondere mit Antikoagulanzien, Antiepileptika und Sedativa. Eine vollständige Medikamentenliste sollte dem Arzt bekannt sein. Mehr dazu im Artikel zu Nebenwirkungen und Risiken.

Lagerung Medizinisches Cannabis sollte kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden – und unbedingt außerhalb der Reichweite von Kindern.

Anpassung der Therapie Wenn die Wirkung nicht ausreicht oder Nebenwirkungen auftreten, sollte dies immer mit dem verordnenden Arzt besprochen werden – keine eigenständige Dosisanpassung ohne Rücksprache.

Fazit

Die richtige Einnahme und Dosierung von medizinischem Cannabis ist individuell und erfordert ärztliche Begleitung. Das „Start low, go slow"-Prinzip und eine offene Kommunikation mit dem behandelnden Arzt sind die Grundlage einer sicheren Anwendung.

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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Quellen

1. Earleywine M, Barnwell SS (2007): Decreased respiratory symptoms in cannabis users who vaporize. Harm Reduct J 4:11 2. MacCallum CA, Russo EB (2018): Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. Eur J Intern Med 49:12–19

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