Was ist Cannabis Indica?
Cannabis Indica ist eine Unterart der Cannabispflanze mit Ursprung in den Bergregionen Zentralasiens – vor allem im Hindu-Kush-Gebirge (Afghanistan, Pakistan, Nordindien). Die Pflanze ist kompakter und buschiger als Sativa, mit breiteren Blättern und kürzerer Blütezeit.
In der medizinischen Praxis wird „Indica" mit einem eher entspannenden, körperbetonten und sedierenden Effekt assoziiert. Diese Eigenschaften machen Indica-dominante Sorten besonders für Abend- und Nachtanwendung interessant.
Typisches Wirk- und Terpenenprofil
Das charakteristische Terpenenprofil vieler Indica-Sorten unterscheidet sich deutlich von Sativa-Sorten:
Häufige Terpene in Indica-Sorten
- Myrcen – das am häufigsten vorkommende Terpen in Cannabis; potenziell entspannend, schmerzlindernd und sedierend (kommt auch in Hopfen und Mango vor)
- Linalool – lavendelartig; möglicherweise anxiolytisch und schlaffördernd
- Caryophyllen – würzig; einziges bekanntes Terpen, das CB2-Rezeptoren aktiviert – potenziell entzündungshemmend
- Humulen – hopfenähnlich; potenziell appetitzügelnd und entzündungshemmend
Für welche Beschwerden könnte Indica geeignet sein?
Indica-dominante Sorten werden in der medizinischen Praxis häufig für folgende Indikationen besprochen:
| Beschwerde | Mögliche Eignung |
|---|---|
| Schlafstörungen / Insomnie | Sedierende, einschlaffördernde Wirkung |
| Chronische Schmerzen (abends) | Körperbetonte Schmerzlinderung ohne Aktivierung |
| Muskelspasmen / Spastik | Muskelentspannende Eigenschaften (relevant bei MS) |
| Angststörungen | Entspannend, anxiolytisch (insb. Linalool) |
| Übelkeit / Appetitlosigkeit | THC-vermittelte Wirkung, körperbetont |
Wichtig: Diese Angaben sind keine Therapieempfehlung. Die Eignung einer Sorte wird immer individuell vom behandelnden Arzt bewertet.
Was die Wissenschaft sagt
Wie auch bei Sativa gilt: Die botanische Einteilung in „Indica" ist kein verlässlicher Prädiktor für die pharmakologische Wirkung. Schwabe & McGlaughlin (2021) zeigten, dass genetische Profile und tatsächliche Cannabinoid-/Terpengehalte häufig nicht der Indica/Sativa-Klassifizierung entsprechen.¹
Für die Wirkung entscheidend sind vor allem:
- THC-Gehalt – stärker sedierend bei höherem THC
- CBD-Anteil – moderiert psychoaktive Effekte, kann angstlösend wirken
- Myrcen-Konzentration – gilt als wichtigster Marker für sedierende Wirkung
Typische Indica-Sorten in deutschen Apotheken
Bekannte Indica-dominante Sorten, die in Deutschland apothekenpflichtig erhältlich sind:
- Northern Lights – klassische Indica, hoch-myrcenhaltig, stark sedierend
- Bubba Kush – körperbetont, entspannend
- Blueberry – fruchtig, Myrcen/Linalool-betont
- Purple Punch – süßlich, schlafinduktiv
Die tatsächliche Verfügbarkeit variiert je nach Apotheke und Lieferant. Auf der Medicanova Marktübersicht sehen Sie, welche Sorten aktuell bei kooperierenden Apotheken erhältlich sind.
Indica vs. Sativa – kurze Gegenüberstellung
| Merkmal | Indica | Sativa |
|---|---|---|
| Effekt | Entspannend, körperbetont | Aktivierend, geistig |
| Tageszeit | Abend / Nacht | Tag |
| Leit-Terpene | Myrcen, Linalool, Caryophyllen | Limonen, Terpinolen, Pinen |
| Typische Indikation | Schlaf, Schmerz, Spastik | Fatigue, Stimmung, Konzentration |
Fazit
Indica-dominante Sorten sind für Patienten besonders interessant, die abends Schmerzen lindern, besser schlafen oder Muskelverspannungen lösen möchten. Das Terpenenprofil – vor allem Myrcen und Linalool – ist dabei ein hilfreicher Orientierungspunkt. Die Sortenauswahl sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
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Quellen
1. Schwabe & McGlaughlin (2021). Genetic structure and variation in Cannabis sativa L. PLOS ONE.